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Fahrzeuge · Bd. I

Mobile.de und AutoScout24 im Vergleich: Die zwei Spitzen-Plattformen 2026

Zwei Portale teilen sich den deutschen Fahrzeug-Markt seit fast drei Jahrzehnten. Eine Bestandsaufnahme der Markt-Anteile, Tarif-Strukturen und Eigentümer-Konstellationen.

Der deutsche Online-Fahrzeug­handel wird seit Ende der Neunziger­jahre von zwei Plattformen dominiert, deren Markt­positionen sich seither bemerkenswert wenig verschoben haben. Mobile.de, gegründet 1996 mit Sitz im brandenburgischen Dreilinden, gehört seit 2004 zum US-Konzern eBay Inc. und verzeichnet nach Angaben des Betreibers etwa 18 Millionen monatliche Nutzer:innen im deutsch­sprachigen Raum. AutoScout24, gegründet 1998 in München, befindet sich seit 2017 mehrheitlich im Besitz der US-Beteiligungs­gesellschaft Hellman & Friedman, die das Portal damals für rund 2,9 Milliarden Euro aus der Scout24-Gruppe heraus­gelöst hatte. Beide Portale operieren als klassische Anzeigen-Markt­plätze mit Inserats-Modell, beide bedienen Privat- und Händler-Inserent:innen, beide haben sich in den vergangenen Jahren um Adjazenz-Dienste — Finanzierung, Versicherung, Kfz-Check — herum verbreitert.

Markt-Anteile und Reichweite

Eine eindeutige Markt­anteils-Statistik existiert nicht; beide Portale veröffentlichen nur die jeweiligen Eigen-Kennzahlen. Aus den verfügbaren Daten ergibt sich für 2025/26 ein Bild, das mobile.de in der reinen Reichweite und in der Größe des Bestands an Inseraten knapp vorn sieht, während AutoScout24 in der grenz­überschreitenden DACH-Nutzung — also Österreich, Schweiz und Luxemburg — eine traditionell stärkere Position hält. Der Bestand aktiver Inserate liegt bei beiden Portalen im niedrigen sieben­stelligen Bereich, bei mobile.de in den Quartals­berichten 2025 wiederholt mit rund 1,4 Millionen Fahrzeugen ausgewiesen, bei AutoScout24 mit etwa 1,1 Millionen. Die qualitative Differenz zwischen den Portalen ist seit Jahren erodiert: Such-Logik, Filter-Sets, Detail­ansichten und mobile App-Strukturen sind weit­gehend ähnlich, was im Wettbewerb um Inserent:innen vor allem über Preis und Reichweite entschieden wird.

Tarife für gewerbliche Händler

Beide Plattformen finanzieren sich überwiegend über Händler-Inserate. Die Tarif-Modelle sind in der Grund­struktur vergleichbar: Eine monatliche Grund­gebühr pro Standort plus eine variable Komponente pro inseriertem Fahrzeug, gestaffelt nach Sicht­barkeits-Stufe und Lauf­zeit. Mobile.de bewirbt 2026 ein dreistufiges Profi-Paket-Modell für Händler ab etwa 199 Euro netto pro Monat in der Einstiegs­stufe; AutoScout24 arbeitet mit einem vergleichbaren Drei-Stufen-Modell ab rund 189 Euro netto. Auf der Sicht­barkeits-Seite bieten beide Portale kosten­pflichtige Premium-Platzierungen — „Top-Inserat” bei mobile.de, „Top-Spot” bei AutoScout24 — die einzeln zugekauft werden. Markt­beobachter:innen schätzen den durchschnittlichen Inserats-Aufwand eines mittel­großen Händlers mit hundert Fahrzeugen im Bestand auf rund 1.500 bis 2.500 Euro netto pro Monat und Portal; die Doppel­bespielung beider Portale ist im Premium-Segment Standard.

Privat-Inserent:innen

Für Privat-Verkäufer:innen sind beide Portale kosten­pflichtig, wobei die Preis­linien moderat ausfallen. Mobile.de berechnet 2026 für ein Privat-Inserat in der Standard-Lauf­zeit von 14 Tagen rund 19,90 Euro brutto; AutoScout24 liegt mit etwa 14,90 Euro brutto leicht darunter. In beiden Fällen sind Verlängerungen und Sicht­barkeits-Aufwertungen separat zubuchbar. Die Gewährleistungs-Logik der Privat­inserate folgt der allgemeinen Recht­sprechung: Der Gewährleistungs-Ausschluss durch die Klausel „verkauft wie besehen, keine Garantie und keine Rücknahme” ist im Privat­handel nach § 442 BGB wirksam, soweit kein arglistig verschwiegener Mangel und keine konkrete Eigenschafts-Zusicherung im Sinne des § 444 BGB vorliegen. § 312g BGB greift im Privat­handel nicht.

Die Auto1-Schiene

Neben den klassischen Anzeigen­portalen hat sich seit 2012 mit Auto1.com eine zweite, struktur­ell andere Schiene etabliert. Die Berliner Auto1 Group SE betreibt unter der Konsumenten-Marke wirkaufendeinauto.de die wohl bekannteste Aufkauf-Plattform für Privat-Fahrzeuge in Deutschland: Privat-Verkäufer:innen erhalten online ein vorläufiges Angebot, das nach einer kosten­losen Vor-Ort-Bewertung in einer Auto1-Filiale verbindlich gemacht oder angepasst wird. Die Konsumenten-Marke Autohero.com bedient die Gegen­richtung: Privat-Käufer:innen erwerben dort von Auto1 aufgekaufte und aufbereitete Fahrzeuge mit Lieferung an die Haustür und kurzer Rückgabe-Frist. Strukturell ist Auto1 damit kein Anzeigen-Markt­platz, sondern ein Händler — mit allen Konsequenzen für die Gewährleistungs-Lage, die im B2C-Geschäft nach § 438 BGB bei gebrauchten Sachen mindestens ein Jahr beträgt. Im Verhältnis zu mobile.de und AutoScout24 ergänzt Auto1 das Markt­bild eher, als dass es es ersetzt: Wer den höchst­möglichen Erlös sucht, inseriert weiterhin auf den klassischen Portalen; wer den schnellsten Abschluss sucht, geht zur Aufkauf-Schiene.


Ressort: Fahrzeuge